Das alte Briedel war von einer Ringmauer umgeben, deren Reste man noch heute im Wallgraben und im Kordel sehen kann. Der "Wallgraben" ist der äußerste Teil des alten Briedel in Richtung Zell. Nach Pünderich zu ist es die Himmeroderstraße, an der vorbei die Ringmauer lief. Die Ringmauer ging bis zur Kirche, von dort die "Bachchaussee" herunter zum Eulentutm. Vom Eulenturm, dem alten Nachtwächterturm von Briedel, verlief die Ringmauer hinunter bis zur Himmeroderstraße, an deren Ende der Himmeropderhof liegt, der weit über ein Jahrhundert das Pfarrhaus von Briedel war.
Einen Rundgang durch Briedel kann man vom Fährkopf (1) aus beginnen. Von allen Gassen sieht man die Kirche, die den Ort überragt. Diese Anlage eines Dorfes mit der Kirche an erhabenem Standort kommt an der Mosel häufig vor und schafft einen eigentümlichen Reiz, der auch mit der Stellung der Kirche im alten Erzbistum Trier zu tun hat. An der Moselstraße ragt der klassizistische Bau der alten Schule (2) auf. Klassizistische Bauten sind an der Mosel nicht sehr häufig. Desto mehr muss man für Ihre Erhaltung tun. Die alte Schule prunkt mit ihren vier Geschosse (ursprünglich nur drei). Das erste Obergeschoss ist in der Technik einer Platten-Rustika ausgeführt. Die weiteren Geschosse sind geprägt durch Rotsandsteingewände, einmal geschwungen, dann wieder gerade vom Steinmetz gearbeitet. Der Bau stammt aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhundert, von dem berühmten Architekten Nebel entworfen (1832-34). Halb versetzt hinter der Schule befindet sich die ehemals grosse Anlage des Himmeroderhofes, im Dorf "Mönchhof" (3) genannt. Ihn betritt man durch das einzige noch erhaltene Tor der Ringmauer von der Moselstraße her. Den Schlußstein bildet das verwitterte Wappen des Klosters Himmerod, die beiden stehenden, verschlungenen Ringe. Der Hof ist heute in Privatbesitz. Der Besitzer hat den Deckenstuck restauriert und die schönen zweiflügeligen Türen im Stil des Louis XVI erhalten. An der Ecke der Moselstraße zur Himmeroderstraße steht das Haus Binninger (4), erbaut 1808, mit schönen Proportionen im klassizistischen Stil. Ein paar Schritte in die Himmeroderstraße hinein lohnen sich: Wuchtig erhebt sich der der gotische Giebel des Hauses Himmeroderstraße 8, früher dem Schäfer Weber gehörend (5). Im gleichen Gässchen der Fachwerkbau des Restaurators Lawen mit modernem Anbau, der sich glücklich einfügt (6). Wenn man wieder zurückgeht, betritt man die Graf-Salm-Straße, ein Kleinod von Briedel. Mehrere große Fachwerkhäuser strahlen um die Wette. Beherrschend das Erkerhaus mit der Figur des Heiligen Nepomuk, erbaut nach 1700 (7). Man beachte auch die Moselhöhenmarke von 1784 und stelle sich vor, wo damals das Wasser in Briedel gestanden hat. Das gegenüberliegende Haus der Familie Goeres (8), Graf-Salm-Straße 3, hat geschnitzte Brüstungsfelder und Eckstäbe. Es stammt aus dem Jahre 1621, also aus der Zeit des 30jährigen Krieges. Das noch verputzte Fachwerkhaus Graf-Salm-Straße 1 gehörte zu einer mächtigen Hofanalge, im Dorf "Grafschaft" genannt. Es ist in der Form eines U gebaut und öffnet sich zur Hauptstraße hin. Ein Flügel, das Haus der Familie Jansen (9) ist freigelegt. Eine steinerne Treppe, nach aussen als Treppenerker ausgebildet, führt ins Obergeschoss. Der linke Flügel wartet noch unter Putz seiner Freilegung. Das Haus stammt aus dem Jahre 1615. Zum Portal des kleinen Innenhofes führt eine Freitreppe. Das Portal besteht aus einem steinernen Rundbogentor zwischen zwei Pfeilern mit Blumengehängen in Flachrelief. Die Schlußsteinkartusche nennt das Jahr der Errichtung: 1767. Die Bekrönung des Portals ist durch ein verkröpftes Gesims mit einer Figurennische ausgebildet, die von Opferflammen gerahmt wird. Die Brettertür imponiert durch kräftige Profile.
Wir gehen wieder einige Schritte zurück durch die Graf-Salm-Straße in das Gässchen "auf dem Bach". Hier stehen zwei imposante Fachwerkbauten des 17. Jahrhunderts, die Häuser der Familien Rees (1752) (10) und Steines, letzteres noch unter Putz. Das Haus Rees war ein ehemaliges Frühmesserhaus, gehörte also einem Geistlichen, der in Bridel Gottesdienste abhielt. Ein Blick in die untere Balduinstraße zeigt uns noch manches verputzte Fachwerkhaus. Wenn in Briedel alles Fachwerk freigelegt wäre, könnte der Ort mit Bernkastel konkurrieren. Wir machen einen kleinen Linksschwenk in die Zehnthofstraße, vorbei an der Zehntscheuer, in der früher die Kirchensteuer, bestehend aus Naturalien, abgeliefert wurde. Der Blick fällt auf das alte Rathaus von 1615 (11), über dessen früher offenen Halle im Erdgeschoss sich ein liebliches Fachwerkhaus erhebt. Angebaut ist ein steinernes Haus, das schon in der alten Rathausgasse steht und wohl deutlich älter ist. Gegenüber dem Rathaus sind in den letzten Jahren drei Fachwerkhäuser freigelegt worden. Das kleine "Hessehäuschen", Zehnthofstaße 3 von 1749 und das Haus Fögen von 1586, Zehnthofstraße 5, bilden mit dem Haus Schneider einen prägnanten Malerwinkel, der für den Zeller Kunstmaler Josef Mayntner zu einem Hauptmotiv in den vierziger Jahren wurde.
Zweifellos zu den ältesten und interessantesten Häusern von Briedel gehört das Haus Eberhard in der Rathausstraße Nr.1 (12). Es ist ein Mittelständerbau, der einzige, der heute noch in Briedel steht. Das 1. Obergeschoss wird von 14 Holzstützen getragen. Ein paar Schritte weiter gelangen wir in die Springiersbacherstraße. An der Ecke Springiersbacherstraße 22/Moselstraße steht das stets frisch gestrichene barocke Fachwerkhaus der Familie Rees (13). Von der Springiersbacherstraße zweigen zwei Gässchen ab, von denen das Gässchen "im Kordel" noch eine Fülle von verputzten Fachwerkbauten aufweist. Neben einer alten Stellmacherei in Bruchstein sind noch Reste der alten Ringmauer (14), leider in schlechtem Zustand, zu sehen. Über eine steile Treppe gelangt man zur Hauptstraße, die wir in Richtung Brunnenplatz verfolgen. Der Fachwerkbau Myrow (15), Haupstraße Nr. 77, überrascht mit seinem hohen gotischen Giebel. Am Brunnenplatz selbst dominieren die Häuser Fischer-Fischer (16), Hauptstraße 89, aus dem Jahre 1597, das unlängst liebevoll restauriert wurde, und das Haus Hochsheid (17) aus dem Jahre 1621. Zu dem prächtigen Fachwerk der Hauptstraße 91 mit geschnitzten Eckstäben, den Rosetten in den Brüstungsfeldern des Prachtfensters korrespondiert das schlichte, aber kräftige Fachwerk des Hauses Nr. 89. Am Brunnenplatz ist ferner ein Fachwerk der Jahrhundertwende zu sehen (18) das sich gut in das Gesamtbild einpasst. Ein Wegweiser am Brunnenplatz zeigt Wandermöglichkeiten aus dem Ortskern von Briedel heraus in alle vier Himmelsrichtungen.
Das mächtige Bruchsteinhaus des Gasthauses "Zum musikalischen Wirt" (19) erbaut in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, kann heute schon zu den ortsprägenden Häusern gezählt werden. Auf dem kleinen Platz eingangs der "Baach-Chaussee" wo früher die "Gemeinde" abgehalten wurde, sind neben der ehemaligen Zigarrenfabrik Mostert mehrere schöne, aber teils noch verputzte Fachwerkbauten zu sehen. Das barocke Fachwerk des Hauses Bergstraße 8 der Familie Kappel (20) ist schon in Eigenleistung freigelegt. Es bildet mit dem Nachbarhaus ein Pärchen. Der große Doppelbau des Hauses Houben (21) zeigt seine Fachwerkschönheit nicht nur an diesem Platz, sondern auch in der unteren Römerstraße, wo sein Giebel ein schönes Entree zur Römerstraße bildet. Wenn man die vielen Stufen der Kirchtreppe geschafft hat, wird man reich belohnt. Der Blick reicht über das Moseltal bis zum Beinter Kopf in Richtung Zell und am Eulenturm vorbei bis zur Marienburg. Der Heutige Kirchenbau (22) stammt aus den Jahren 1772-1776. Das herrliche Portal trägt in einer Nische einen gußeisernen, vergoldeten Heiligen Martin aus der Sayner Hütte von 1853. Eine zweiflügelige Kirchentür mit Rokokoschnitzerei lädt zum Eintreten ein. Die Kirche ist 30 Meter lang und ca. 12 Meter breit. Der barocke Hauptaltar trägt die Heiligen der Briedeler Kirche und des Klosters Himmerod: St. Benedikt, St. Bernhard, St. Martin.
Auf den Nebenaltären sind vor alem die Heiligen einer vorwiegend bäuerlichen Welt zu sehen: St. Katharina, St. Barbara, St. Margarethe, St. Nikolaus und St. Sebastian. Altäre und Beichtstühle sowie der Orgelprospekt stammen aus der Zeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts. zu Recht werden die schönen Malereien des Malers Freund aus Bernkastel gerühmt.
Als Ergänzung zu dem beschriebene Rundgang bietet sich an den Eulenturm zu besuchen, um von dort - aus anderer Perspektive - den Blick über die reizvolle Dachlandschaft des alten Briedel und auf die darüber aufragende Kirche zu genießen. (Text: Gerd Bayer)
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